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Quelle: Schwäbische Zeitung 5.10.2013

Von Ralf Schäfer

Raderach Wir haben unsere Leser nach ihren Lieblingsrestaurants befragt. Die Resonanz war groß und wir stellen die von Ihnen gewählten Restaurants und Gasthäuser in einer neuen Serie vor. Den Anfang macht die Krone in Raderach.


Marion Seifert steht in der Küche der Gaststätte Krone in Raderach und freut sich auf den Herbst. Der bringt so viel Auswahl für den Herd. „Das ist einfach die schönste Jahreszeit für gute Küche“, sagt sie, erzählt von Steinpilzen, Wild, Äpfel, Nüssen und hört gar nicht mehr auf zu schwärmen. Marion Seifert ist Köchin in der Krone, in der Gaststätte, in der sie schon als Achtjährige ihrem Papa geholfen hat, Gläser zu spülen.


Die Krone steht auf dem Drumlin, der die Ortschaft Raderach ausmacht. Hier stand früher die Fichtenburg, aus deren Überresten die Kapelle, der benachbarte Bauernhof und eben die Gaststätte gebaut wurden. 2002 bekam die Gaststätte das heutige Erscheinungsbild, danach ging es mit der Nachfrage stetig bergauf. Helga Seifert ist die Mutter der Köchin und Chefin in dem Haus, in dem auch die Zimmer immer wieder ausgebucht sind.

 

Sie kann Geschichten erzählen, die bis hinunter in den Keller führen. Dort befindet sich noch der alte Burgbrunnen, der angeblich bis auf Seespiegel, also rund 90 Meter tief, hinunterreichen soll und in dem der Sage nach immer noch ein Schatz liegen soll.

 

Die eigentliche Schatzkiste aber befindet sich oben. Die Gaststube in der Krone ist rustikal, bunte Glasfenster, bunte Tapete und bunte Polster passen farblich vielleicht nicht wirklich zusammen, geben dem Ganzen aber den Flair gutbürgerlicher Gemütlichkeit.


Wer den Weg in Friedrichshafens nördliches Bergdorf findet – und das sind eine ganze Menge Menschen, die Wert auf Gemütlichkeit und gute Küche legen – sitzt in der Krone, weil er gut essen möchte. Schickimicki gibt es hier nicht, hier kocht die Küchenchefin gemäß der Saison, der Jahreszeit und gemäß dessen, was der Markt gerade so hergibt.

 

Sie findet an allen Jahreszeiten Gefallen. Im Sommer mutet ihr Gewürzregal eher italienisch an – frische Kräuter und viele Salat- und Gemüse-Varianten – gleichzeitig findet sie Zeit zum Experimentieren. „Gerade wenn viele Gäste kommen, der Biergarten voll ist und wir eigentlich eine Menge zu tun haben, kann ich Neues ausprobieren“, sagt sie. Schließlich macht es dann Sinn, neue Kombinationen auf die Teller zu zaubern, wenn auch genügend Leute da sind, die sich auf diese Experimente einlassen mögen. Bislang hat das immer funktioniert.


Anleihen an asiatischer Küche, an den Nachbarn aus Frankreich oder Italien nimmt sie. Die Betonung aber liegt auf der Regionalen.

 

Qualität muss stimmen


Die Zulieferer kommen von hier, „ich muss kein handgestreicheltes Rind aus Übersee einfliegen lassen. Die Qualität muss stimmen und die passt hierzulande auch sehr gut.“ Exotisch wird es bei ihr dann, wenn besondere Anlässe es erlauben. Silvester gab es schon mal Elch oder Rentier, aber nur, wenn das Fleisch nicht aus der Tiefkühltruhe kommt. Gegen Fertigprodukte hat Marion Seifert probate Mittel.


Beinahe Legendär sind ihre selbstgemachten Kroketten, für die immer wieder mal – vor allem Sonntagsmittags – Autos vor der Türe halten, jemand mit einem Topf aus dem Wagen hüpft und anschließend mit eben jenen Kroketten wieder auftaucht, um sie mit nach Hause zu nehmen. Auch die Knödel kommen nicht aus der Packung, wie der Pfannkuchenteig nicht aus der Flasche in die Pfanne fließt.

 

Standards gibt es in der Krone auch, der Blick in die Wochen- und Tageskarte aber lohnt immer. Und einer der beliebtesten Standards steht auf der Dessertkarte – der Eisknödel. Das kulinarische i-Tüpfelchen der Dessertkarte hat eine warme von Mandeln umhüllte Bisquitschale mit kaltem Eis darin. Dazu heiße Kirschen und Sahne – welch besseren Abschluss eines guten Essens könnte es geben.


So manch Raderacher – der Autor inbegriffen – hat sich die Eisknödel als Schmankerl schon nach Hause bestellt. So weit sind die Wege hier nicht, dass das Eis schmelzen oder der Teig kalt werden würde.

 

Ein Motto von Marion Seifert bezieht sich auf die Preise: „Essen gehen, das sollte sich jeder leisten können, auch die Familie mit Kindern.“ Für sie muss die Qualität der eingesetzten Waren stimmen, der Preis aber auch. Was es nur überteuert gibt, weil zu wenig davon verfügbar ist, darauf kann sie in der Küche auch gerne mal verzichten.

 

Die Felchen aus Übersee, weil der Bodensee nicht mehr genug davon hergibt, braucht sie nicht. „Das ist bald so wie mit dem Spargel, den gibt es auch nicht immer“, sagt die Köchin und wendet sich wieder ihrer Arbeit zu. Zwischen 14 und 17 Uhr gibt es in der Krone nur kalte Küche. Marion Seifert bereitet dann den bevorstehenden Abend vor. Und auch dann wird frisch zubereitet und nicht auf Tiefkühl-Ware oder schnelle Küche zurückgegriffen.

 

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3.10.2013

Der Ritter-Schatz Radirais ist in Raderach noch immer unentdeckt

Aus der Burg sind Kapelle, Gaststätte und Bauernhof gebaut worden. (Foto: Ralf Schäfer)

Quelle: Schwäbische Zeitung 23.01.2013

Von Ralf Schäfer

 

 

Heute zeugen ein Biergarten, ein alter Brunnen und drei Straßennamen von der alten Geschichte

 

 

 

Raderach Der kalte Wind weht von Südwesten her über den See, verfängt sich in den Hügeln bei Efrizweiler und lässt hinter den dicken Mauern der Neuen Burg, des „nono castro Radirai“, kaum noch das Feuer im Kamin flackern. Von der Mauer hat man einen wunderbaren Blick auf den See mit seinen Fischerhütten, den vereinzelten Booten auf dem Wasser und auf die Berge, hinter denen sich die Gedanken von Adelheid von Radirai verlieren. Sie ist glücklich im Herbst des Jahres 1256. Bischof Eberhard von Konstanz hat den Kirchenbann aufgehoben, mit dem die Ritter von Radirai belegt waren. Sie waren schon 1140 raubend und brandschatzend durch das Land gezogen und hatten sich zuletzt an Gütern des Kloster Salem vergriffen. Daraufhin waren sie mit dem Bann belegt worden.

 

Zwei Ritter trieben ihr Unwesen

 

Diese Szene kann man sich bestens vorstellen, wenn man heute auf dem höchsten Punkt, dem Fundament des Burgfrieds im Biergarten der Gaststätte Krone in Raderach steht und über Friedrichshafen hinweg auf den See schaut. An dieser Stelle hatte Wernherus von Radirai die neue Burg bauen lassen. An ihre Existenz erinnert heute für die flüchtig Vorbeifahrenden nur noch der Name Fichtenburgstraße oder vielleicht der Schlossweg oder die Ritterstraße, die um den kleinen Ort führt. Und der wird von vielen und vor allem den dort lebenden Menschen als der schönste Ortsteil der Stadt bezeichnet. Das liegt mitunter auch an dem Biergarten, der dort ganz oben auf dem Drumlin thront, wo einst die Burg gestanden hat und Adelheid träumend gen Süden geschaut haben mag.

 

Zwischen 1768 und 1854 lebte der Pfarrer, Lehrer und Jugendschriftsteller Christoph von Schmid. Er hat die beiden Burgen der Raubritter von Radirai als Tannenburg und Fichtenburg bezeichnet. Die Tannenburg stand auf dem Weiherberg nahe der heute gleichnamigen Deponie und ist heute nur noch als Ruinenrest vorhanden. Hier soll der dem Herzog von Schwaben zugeneigte Edelbert gewohnt haben. Die Fichtenburg auf dem Drumlin sei von Kunerich mit seiner Familie bewohnt gewesen, erzählt von Schmid. Diese beiden Ritter des Radirai-Geschlechts liebten sich wie der Teufel das Weihwasser. Wer heute in der Gaststätte Krone die Speisenkarte aufschlägt, kann die Legende der beiden nachlesen, die wir an dieser Stelle zusammenfassen wollen:

 

Einst hatte der Herzog von Schwaben seinen Getreuen Ritter Edelbert gebeten, ihm Waffendienste zu leisten. Dieser aber lag verletzt auf seiner Burg und konnte dieser Bitte nicht persönlich nachkommen. So schickte er seine waffentragenden Männer mit und blieb mit seiner Tochter alleine zurück. Kunerich erfuhr davon und überfiel die benachbarte Burg, nahm Edelbert gefangen und ließ ihn in seinen Kerker werfen. Edelberts Tochter Rosa von Tannenburg soll sich darauf bei einer im Wald lebenden Köhlerfamilie verdingt und sich als Magd schließlich Zugang zur Fichtenburg verschafft haben. Dort versorgte sie heimlich ihren Vater im Kerker.

Eines Tages geschah auf dem Burghof ein Unglück. Der Sohn des Burgherrn wollte Tauben fangen, die auf dem Brunnenrand saßen, und fiel in den Schacht hinein. Dort soll er an einem Haken hängen geblieben sein, wodurch ihn Rosa von Tannenburg habe retten können.

 

Der Sohn überlebte und der raubritterliche Papa fiel dankbar vor der Magd auf die Knie, ihr jeden Wunsch zu erfüllen. Das Ende liegt wie in jedem Märchen nahe. Die Tochter wünschte sich die Freilassung ihres Vaters und beide zogen glücklich zurück auf ihre Burg.

 

Der Brunnen birgt ein Geheimnis

 

In Raderach wird diese Legende nicht nur als Märchen abgetan. Im Keller der besagten Gastwirtschaft steht der Brunnen noch. Und in der Tiefe ist sogar der Haken noch zu sehen, ein alter und großer Metallhaken. Der Brunnen verbirgt ein weiteres Geheimnis, an dessen Lüftung sich vor einigen Jahren schon Taucher gemacht haben. Offiziell wollten sie wissen, wie tief dieser Brunnen hinab reicht. Raderach befindet sich gut 90 Meter über dem Seespiegel, bis 41 Meter sind die Taucher hinab gekommen. Danach versperrten querliegende Balken den Weg und die Erkenntnis, ob in der Tiefe tatsächlich der auf dem Drumlin vermutete Schatz liegt.

 

Dieser Schatz soll aus den Raubzügen stammen und ist Grund dafür, dass es die Burg nicht mehr gibt. Nachdem es im Dreißigjährigen Krieg ein Jagdschloss war, bekam Konrad Endrass 1824 das Schloss. Er übergab es an Vinzenz Brugger und der ließ es Stein für Stein abtragen. Er glaubte an die Gerüchte um den Schatz und machte sich damit auf die Suche danach. Aus den Steinen wurden 1836 die heutige Gaststätte, der daneben liegende Bauernhof und die Kapelle gebaut. Gefunden wurde der Schatz bislang nicht, der einzige Ort, an dem er liegen könnte, wäre jetzt noch der Grund des Brunnens.

 

Wenn es heute über den Weiherberg aus Südwesten Richtung Raderach bläst, halten die alten Kastanien, die im Biergarten stehen, den Wind auf. Der Blick über den See auf die Alpen aber ist der gleiche wie anno dazumal und der kann zu Träumen anregen, kann die alten Geschichten lebendig werden lassen und macht aus Raderach ein ganz besonderes Örtchen.

 

(Erschienen: 22.01.2013 15:25)

Quelle: Schwäbische Zeitung 5.10.2013

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